Reportage
SuedLink-Teilabschnitt, Thüringen 09|2026

Bohrverfahren im Zeichen der Energiewende

Das Projekt «SuedLink» des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW steht für eines der aktuell wichtigsten Infrastrukturvorhaben der Energiewende in Deutschland: den Bau einer rund 700 km langen Gleichstromleitung quer durch Deutschland, um den Transport des im Norden produzierten Windkraftstromes in die verbrauchsstarken Regionen im Süden zu ermöglichen. – MARTY ist bei diesem Grossprojekt mit zwei langen Spülbohrungsquerungen im Bauabschnitt D1, LOS 5, in Thüringen beauftragt worden.

Als einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland ist TransnetBW für den sicheren Betrieb und den bedarfsgerechten Ausbau des Höchstspannungsnetzes in Baden-Württemberg verantwortlich und spielt damit eine zentrale Rolle für das Gelingen der Energiewende. Die Herausforderungen des aktuellen Projekts lassen sich bereits mit freiem Auge an der breiten, durch Felder und Wiesen freigelegten Trasse erahnen. Wie bei jedem Netzausbauprojekt wurde auch hier die geeignete Technologie anhand der jeweiligen Rahmenbedingungen bewertet. Im Ergebnis fiel die Entscheidung für eine vollständige Ausführung als Erdkabel. In Thüringen sind knapp 70% davon im offenen Grabenbau, rund 30% in geschlossener Bauweise wie etwa mithilfe von Pressbohrungen, Mikrotunneln oder Horizontalspülbohrungen.

Hier im Bauabschnitt D1, LOS 5, nahe Eisenach werden überwiegend im freien Grabungsbau insgesamt jeweils vier Leerrohre sowie Glasfaserkabel nebeneinander verlegt. Für zwei bis auf die Start- und Zielgruben von aussen nicht sichtbare, bis zu einen Kilometer lange Querungen unterhalb eines Waldstücks und eines Flusses holte man sich mit MARTY erfahrene Experten aus der Schweiz unterstützend an Bord.

«Die für diesen Abschnitt zuständige STRABAG ist auf uns zugekommen, weil die Geologie hier überwiegend felsig und nicht ganz einfach ist und sie dafür einen verlässlichen Partner mit viel Spülbohrungsexpertise gesucht haben», erinnert sich MARTY-Projektleiter Erik Weirather, wie die Kooperation im 530 km entfernten Thüringen zustande kam. «Ein absolutes Grossprojekt für uns, eine Art Meilenstein, dem natürlich auch viel logistische Arbeit vorausging – von den umfangreichen Zollabklärungen über die Arbeitsbewilligungen und den entsprechenden Regelungen bis zum Transport des kompletten Equipments.»

«Wir bohren hier ja nicht nur eine einzelne Leitung, sondern gleich fünf nebeneinander»

Erik Weirather

Zudem investierte man bei MARTY vorab auch noch in hochwertiges neues Inventar wie etwa neue Recycler, Zentrifugen, Mischanlagen sowie Stromkästen und Stromkabel. Um vor Ort eine technische Redundanz garantieren zu können, steht vor Ort neben den beiden bewährten und besonders leistungsstarken Spülbohranlagen HK 300T und Vermeer D220 zur Sicherheit noch eine dritte 160-Tonnen-Anlage zur Verfügung.

Im März 2026 war für MARTY Baustart in Thüringen, im Sommer 2027 sollte man mit den zwei umfangreichen Querungen fertig sein. «Wir bohren hier ja nicht nur eine einzelne Leitung, sondern gleich fünf nebeneinander», präzisiert Erik Weirather. «Vier von uns verlegte Leerrohre sind für Stromleitungen vorgesehen.» Keine gewöhnlichen Stromleitungen, sondern vier 525-kV-Leitungen.

Sehr positiv ist das bisherige Feedback des Auftraggebers. «Wir bekommen eigentlich nur Lob zu hören und wie zufrieden man ist, wie professionell und sauber alles läuft», freut sich der MARTY-Projektleiter. Lob, das Erik Weirather allerdings auch gerne zurückgibt: «Bereits die geologischen Vorabklärungen waren von der Auftragsseite sehr detailliert und aufschlussreich. Und auch wenn die vielen, sehr strikten Auflagen, unzähligen Besprechungen und regelmässig zu erstellenden, umfangreichen Berichte und Protokolle etwas gewöhnungsbedürftig sind, läuft die Zusammenarbeit mit der STRABAG, für die wir als Subunternehmer hier tätig sind, einwandfrei. Wir können uns voll auf die Spülbohrungen konzentrieren, den ganzen Rest übernimmt die STRABAG: von der Installation und dem Rückbau der Baustellen über das Schweissen der Schutzrohre bis zum Absaugen und Abtransport des Bohrschlammes.»

«Ich bin nach wie vor von den Ausmassen dieses Projekts beeindruckt – sowohl was dieses für die Energieversorgung generell bedeutet als auch für uns als Unternehmen.»

Erik Weirather

Auch dem eigenen Team streut Erik Weirather Rosen: «Wir haben hier insgesamt zwei Teams von vier bis sechs Bauarbeitern vor Ort, die sehr effizient und bestens eingespielt parallel an den beiden Querungen arbeiten. Die beiden Bohrmeister machen dabei einen tollen Job und regeln hier draussen vieles gleich direkt auf kurzem Wege, um den Bohrbetrieb ständig aufrechtzuerhalten.» Damit zudem die langen Fahrten von oder nach Thüringen auch sicher, schnell und bequem ablaufen, schaffte man bei MARTY für die beiden Arbeitstrupps diverse moderne Fahrzeuge mit allen Sicherheitsfeatures an.

Stand August 2026 konnte man mit dem Einzug von zwei Rohren bereits rund 20% der Arbeiten erfolgreich abschliessen. Gibt es von Projektleiter Erik Weirather so etwas wie ein erstes Zwischenresümee? «Ich bin nach wie vor von den Ausmassen dieses Projekts beeindruckt – sowohl was dieses für die Energieversorgung generell bedeutet als auch für uns als Unternehmen. Der Arbeitsumfang und die Bohrlängen, die da zusammenkommen, sind auch für MARTY alles andere als alltäglich. Und dass dabei alles noch so reibungslos und zur vollen Zufriedenheit des Auftraggebers klappt, macht einen schon auch ein Stück weit stolz.»

Zum Projekt

Suedlink, Teilprojekt Süd, Abschnitt D1, LOS 5

Bauherrschaft: TransnetBW GmbH
Auftraggeber: STRABAG AG
Projektleiter MARTY: Erik Weirather

Zeitliche Eckdaten:

  • Auftragserteilung: Juni 2025
  • Beginn MARTY-Arbeiten: März 2026
  • voraussichtlicher Abschluss der MARTY-Arbeiten: Sommer 2027
  • geplante Inbetriebnahme der SuedLink-Leitung (700 km Länge): Ende 2028

Umfang:

  • Querungen 35005 und 35007 (jeweils 5 parallele Spülbohrungen)
  • Bohrplatz 1 (Querung 35007): Bohrlängen 960 bis 990 m
  • Bohrplatz 2 (Querung 35005): Bohrlängen 780 bis 800 m
  • Querungstiefen: bis rund 35 m
  • Einzug von PE-Rohren (DN 280 bis DN 355 PN 25)

Geologie:

  • 90% Fels, 10% standfest/weich
  • Fels: Sandstein, mit vielen Klüften und Hohlräumen

Eingesetztes Inventar (u.a.):

  • Spülbohranlage HK 300T
  • Spülbohranlage Vermeer D220
  • diverse Recycler und Zentrifugen
  • Kreiselkompass für die Lagebestimmung während der Pilotbohrung

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